Mit Pferden fürs Leben lernen

Ein Pferd, ein Mini-Pony und 13 Stühle stehen auf dem Reitplatz. Dazwischen die Schülerinnen und Schüler vom Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasium Cham und Michaela Lankes, Mitglied der Geschäftsführung vom ULRICHSHOF. Was auf den ersten Blick nach Freizeit aussieht, ist ein Bewerbertraining, welches bereits zum achten Mal im Familienhotel stattfindet. Und trotzdem ist es eine Premiere, denn die Gymnasiasten werden erstmals mit den Raidho-Lehren gecoacht.

Dinge lernen, die das Leben ausmachen

„In der Schule bekommt man eine Fülle an Wissen übermittelt, wie mathematische Formeln, lateinische Wörter und ganz viel Theorie. Aber grundlegende Sachen, zum Beispiel die Antworten auf ‚Wie bewerbe ich mich? Wie sieht ein Anschreiben aus? Wie läuft das Vorstellungsgespräch ab?‘, das fehlt den Schülern“, so Michaela Lankes. Und da es in der Praxis oftmals anders aussieht als in der Schule gelernt, wird in der 11. Klasse des Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasiums Cham ein P-Seminar anboten, welches projektbezogen ist und ein Bewerbertraining enthält. Auf dem Programm stehen Unternehmensführung, Ablauf einer Bewerbung im ULRICHSHOF, die Durchsicht der einzelnen Bewerbungsschreiben sowie das Durchführen von fiktiven Bewerbungsgesprächen. Bei der Umsetzung der einzelnen Punkte wurde Michaela Lankes von Concierge Pauline Schmidbauer unterstützt. Die interessierten Schülerinnen und Schüler genossen die entspannte Atmosphäre in der Cappuccinolounge des Hotels und machten begeistert bei den Übungen mit.

„Ich will den Gymnasiasten aufzeigen, dass viel Wissen und gute Noten eben nicht alles sind: ‚Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt‘, wie Albert Einstein so schön sagte. Ich geh da mit bestem Beispiel voran, denn mein Weg war auch nicht der klassische – ganz im Gegenteil“, schmunzelt Michaela Lankes. Aber worauf kommt es denn eigentlich an? „Man muss authentisch sein, das ist das Allerwichtigste.“

Coaching mit Pferden

Doch wie sieht man sich selbst, wie ist die Fremdwahrnehmung? Spiele ich eine Rolle oder bin ich authentisch? Die Antworten darauf können Pferde geben, denn sie nehmen die Emotionen von Menschen feinfühlig auf: „Pferde spiegeln ihr Gegenüber und sind wundervolle Lehrmeister, wenn wir unser Herz öffnen“, ist Michaela Lankes überzeugt. „Pferde lehren uns Geduld, Akzeptanz und Ernsthaftigkeit – Eigenschaften, die wir auch im täglichen Miteinander brauchen.“ Um die Werte für ein gutes Miteinander weiterzugeben, hat sich Michaela Lankes auf die Suche gemacht und in Raidho Healing Horses den perfekten Rahmen für ihre Arbeit mit den Pferden gefunden. In ihrer Facharbeit hat sie das Programm EMALAMA Raidho Kids erarbeitet und damit sehr erfolgreich ihre Trainerlizenz erworben.

Fokus auf die Körpersprache

Die heutige Aufgabe für die Gymnasiasten ist schnell erklärt: Die Gruppe stellt ein Firmenkonstrukt dar. Die Abteilungsleitung sitzt auf den Stühlen und der Chef bzw. die Chefin muss zusammen mit der Assistenz das Pferd auf dem Parcours von A nach B führen. Hört sich einfach an. Aber die Assistenz hat geschlossene Augen und muss ganz auf die Anweisungen der anderen vertrauen. „Natürlich ist es gewollt, dass die ausgesuchten Personen keine Ahnung von Pferden oder Parcours haben. Denn auch im täglichen Leben werden wir mit Aufgaben konfrontiert, auf die wir nicht vorbereitet sind.“ Und nun ein Pferd zu bewegen, bedeutet, sich zu bewegen oder genug Eigenmotivation zu haben, um ein Vorhaben durchzusetzen.

„Es ist spannend zu beobachten, wie die Führungskraft die Aufgabe umsetzt und wie sich die Gruppendynamik entwickelt,“ erklärt Michaela Lankes die Übung. Wie ist der Führungsstil, wie die Kommunikation mit der Assistenz und mit der Abteilungsleitung? Hilft das Team mit und gibt Tipps oder hält es sich zurück? Bei der Schulklasse war Ersteres der Fall: „Du musst vorgehen, das Pferd wird dir folgen“, „Ina, du machst das super, immer geradeaus“, „Das Hindernis ist ein Meter vor dir“, lauteten die Rufe der Abteilungsleiter, während Chefin Elena mit sicherer Hand den schwarzen Carl durch den Parcours führte. „Ich fand die Übung sehr interessant, man hat viel daraus lernen können. Ich habe mich anfangs gefragt, was es mit den Pferden auf sich hat aber am Ende habe ich schon verstanden, dass es sehr viel Sinn macht“, resümiert Jannis das Training.

Energie der Begeisterung

Auch der Rest der Klasse ist begeistert: „Überdurchschnittlich und außergewöhnlich“, „Ich fühle mich gestärkt, das Training hat mir geholfen“, „Sehr interessant, man hat viel aus der Übung lernen können“, „Ich bin dankbar für den Tag, ich habe ganz viel mitgenommen“, lautet das durchgehend positive Fazit der Gymnasiasten.

„Saugt den Moment auf und nehmt so viel wie möglich mit. Denn alles was man lernt, lernt man für das Leben – und nicht für die Schule oder für irgendeine Prüfung.“ Und noch etwas möchte Michaela Lankes den Gymnasiasten mitgeben: „Wenn ihr immer das macht, was euch ausmacht und das macht, was ihr könnt, dann brennt ihr für eine Sache. Und dann ist es nicht nur irgendein Beruf, sondern es ist eine Berufung. Wenn man das macht, was man machen will, ist die Arbeitszeit Freude pur.“

Auch Gymnasiallehrer StR Ulrich Voit hat eine Veränderung bei seiner Klasse bemerkt: „Man sieht es den Schülern an: Sie hatten richtig Spaß und gehen voll motiviert aus dem Bewerbertraining.“ Michaela Lankes weiß warum: „Wenn man mit Freude lernt, dann merkt man es sich ein Leben lang

Zurück
Zurück

Da steht ein Pferd auf‘m Schul-Flur